Glosse: Neue-Alte Messe

by voisard

Eine Glosse für eine Jugendzeitschrift, die etwa zwei Jahre alt ist. Ob alles so glücklich formuliert ist, weiß ich nicht, aber als ich sie gerade wiedergefunden habe, hab ich sie gerne gelesen.

Mein Freund Benedikt, der in Rom als Papst lebt, hat in einem Brief aus eigenem Antrieb geschrieben, dass die alte Messe indultlos (ohne das es Robert der Bischof genehmigen muss) möglich sein soll. Ob man davor Angst haben muss weiß ich nicht, irgendwie scheint er aber der Meinung zu sein, dass ihr liebe Kinder und Jugendlichen, euch ganz besonders danach sehnt, diese beinahe ursprüngliche Form der Liturgie wieder zu erleben. Es gibt von der einen Seite der Mutter Kirche aus gesehen, keinen Grund, etwas dagegen zu haben, dass Latein Einzug halten kann, wenn das von den Teilnehmern des Gottesdienstes gewünscht ist. Es gibt zwar den ein oder anderen Vorbehalt, manches davon ist sicher richtig, viel aber auch nur Geschwätz. Erstmal ist der alte Ritus kein schlechter, nur weil er alt ist und an sich ist er auch nicht “böse”, den er stammt in der aktuellen Form vom guten Papst Johannes, der ihn 1962 (neu)herausgegeben hat.

Wenn man will und in der Schule (”…est omnes divisa in personae tres…”) aufgepasst hat, finde ich es nicht verkehrt, wenn man sich auch das einmal “anschaut”, so man die Gelegenheit dazu hat. Nur wenn Exkulsivitätsansprüche auftreten, wo sie aus meiner einfacher-Arbeiter-im-Weinberg-Sicht unangebracht sind, muss ich sagen: “Aufgemerkt!” Ich glaube nicht, dass der Gläubige allein nicht liturgiefähig ist, oder etwas dadurch “gültig” (was auch immer das TATSÄCHLICH heißt) wird, indem ein Priester murmelt. Im neuen Ritus lässt sich ein Gottesdienst schon aus pastoraler Sicht nicht ohne Beteiligung der Laien denken; Skeptiker könnten also fragen, ob die Reaktivierung des usus antiquor nicht doch nur auf leerere Bänke in Zukunft vorbereitet.

Aber zurück zum Dreiklang “Gültigkeit”, “Tradition” und “rechter Gebrauch”: Nach allem was ich weiß, ist dieser alte Gebrauch zeitlich dem heute aktuellen vorgeordnet, ob er wirklich mehr ist als Stein gewordener Zeitgeist, muss jeder selbst entscheiden. Man kann ihn aufgrund seiner Genese jedoch nicht umfänglich als ursprünglichste Medizin gegen “Schindluder”, wie liturgischen Tanz, Händchenhalten und zu wenig Zurückhaltung beim Friedensgruss ins Feld führen. Ein anderer guter Papst hat vor einiger Zeit in einem anderen Schrieb aus eigenem Trieb geschrieben, dass wer den Indult (s.o.) will, ein zweifelsfreies Bekenntnis zur Legitimität der neuen Ordnung ablegen muss. Auf dieser Basis, wer meint er braucht es, gerne. Ich glaube, dass niemand in der Lage ist eine “alte” Messe richtig zu feiern, der im Innersten ablehnt, dass der neuen Form ein gleichwertiger Rang zukommt.

Aber Benedikt schreibt auch, dass das Heil der Seelen eine bestimmte Sprache - und es ist ja nicht nur die Sprache - VERLANGEN kann. Meiner Seele ist das egal. Meine Seele ist sich auch nicht sicher, ob Gott nicht so sehr mitten unter uns ist, dass wir nicht in der Lage sind zu entscheiden, “in welcher Richtung er anzubeten ist”. Wenn ich in Liturgiewissenschaft wirklich gut aufgepasst habe, nicht unstolz legt dies meine Note nahe, war ich in meinem Leben noch in keinem Gottesdienst der wirklich rectus et receptus war. Und bisher hat meine Seele daran keinerlei Schaden genommen, der in einem meßbaren Bereich liegt. Zumindest nicht, dass ich wüsste!

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