Oasys - Kriterien (12)

by voisard

Je weitere ich diese Reihe betreibe, desto klarer wird mir, dass die einzelnen Beiträge nur mäßig zur Klarheit über Oasys beitragen. Irgendwie müsste es gelingen, die Philosophie, die dahinter steht unabhängig von den konkret verwendeten Materialien, auf vier Seiten zu packen. So wie man auch alles, was beim Glauben (…) wichtig ist, auf einen Fingernagel schreiben kann, um Nell-Breuning hier pointiert zu verfälschen. Ich folge also nun der Kriterien-Vorlage von Thorsten, zitiere aus dem zweiten Artikel der Serie und versuche zu erläutern, wo mein System zutreffend ausgestattet ist und wo ich nachbessern kann.

(1) Das System muss immer verfügbar sein: “Ich möchte meine Kerninformationen bei mir tragen können, ohne auf Strom oder Internet angewiesen zu sein.” Wenn ich mein Gehirn bei mir trage, habe ich alle Informationen bei mir, die ich benötige. Wie oft darf es vorkommen, dass Informationen ’somewhere else’ sind? Gibt es eine konkrete Maßzahl, mit der ich das entscheiden kann. Und wenn ja, liegt es dann nicht eher an meiner Disziplin als an der Ausstattung des Systems? Grundsätzlich hat sich das Gehirn als effektives Mittel erwiesen, dass mich dazu bringt, gerne alles hier zu verarbeiten.
(2) Informationen müssen innerhalb kürzester Zeit auffindbar sein: “Ich möchte alles aus dem Kopf haben und Informationen dort hinterlegen, wo sie bei Bedarf von selbst wieder auftauchen.” Der Kern des System ist an einem Platz versammelt, die Art, wie ich es angelegt habe, führt dazu, dass ich mich an diesen Platz halte, alles darin sammle, es immer bei mir führe, im Zweifelsfall in einer verkleinerten Version. Bisher habe ich zwar manchmal blättern müssen - im Sinne von, nicht auf Anhieb die richtige Seite aufgeschlagen - aber keine Information, die ich braucht, lies mich lange warten, mithilfe der Spezialseiten geschieht dies noch etwas konzentrierter und eine Woche überleben, allein mit einer einzigen Doppelseite ist frei von Stress und zugleich effektiv.
(3) Planung darf nicht geplant werden müssen: “Ich möchte ohne unnötiges Übertragen meine Projekte als Projekte zusammenhalten und trotzdem nicht auf Kontexte verzichten.” Dies gelingt deshalb nur teilweise, weil manche Spezialseiten voraussetzen, dass Dinge übertragen werden, allerdings dann auf der Ursprungsseite auch (5) werden. In den allermeisten Fällen bietet es sich sogar an, auf Übertragungen der Verweise zu verzichten und Querverweise einzusetzen. Die Stärke, die ich für mich sehe, ist die Einzigartigkeit jedes einzelnen Eintrages, nichts taucht mehr als genau einmal auf.
(4) Das System muss ohne lange Einarbeitung funktionieren: “Ich möchte dabei möglichst auf wenige Vorlagen kommen (…)” Meine Zielsetzung konnte ich über den schmerzhaften Prozess der Trennung von lieb gewonnenen Vorlagen erreichen. Ich kann jetzt auf jedem analogen Material hinreichend gut mich selbst organisieren. Mein System ist ein Framework, dessen grundsätzliches Prinzip dem Kreislauf (1) zu (6) entspricht. Diesem Kreislauf zu folgen ist nicht allzu schwer, die Augmente, die Techniken, wie die der Spatials und ähnlicher Instrumente, die ich noch erläutern werde, sind bedeutend komplexer. Hier ist es vor allem eine Geschmacks- und Bedarfsfrage, welche Instrumente man in sein System lässt und welche nicht.
(5) Jeder muss es nach kurzer Erklärung nutzen können: “Deshalb versuche ich Schreibweisen zu entwickeln / zu verwenden, mit denen ich komplexe Aussagen rasch eintragen und sie ebenso rasch lesen kann.” Hauptcodierung ist das Label, sechs Zeichen kann sich jeder merken. Die Einarbeitung der Emailprinzipien, also der vollen Philosophie auf eingeschränkten Medien, klappt bisher gut. Hier wird der Nutzen ebenfalls am schnellsten deutlich. Einfach ist mein System vermutlich deshalb, weil es schnell verständlich ist, wenn man es sich erklären lässt. Das bedeutet aber noch nicht, dass es auch verwendet wird. In erster Linie ist es ja für den Träger entwickelt und so wird nicht jeder den Nutzen nachvollziehen können und wollen. Ein Erfahrungswert ist die Schwierigkeit der Vermittlung an den Mediengrenzen innerhalb des Systems. Hier liegt eine Zusammenstellung zugrunde, die an meinen Bedürfnissen ausgerichtet ist, wie die Einzelkomponenten integriert werden, kann ich nicht verbindlich festlegen und es bleibt irgendwie eine Frage des persönlichen Stils und Rhythmus.

Fazi: Mein System passt für mich und mein Verständnis der Kriterien, es ‘arbeitet’ für mich und ich fühle mich produktiver, als zu einer Zeit, als ich noch kein solches System hatte. Aber es stellt gleichzeitig eine Entwicklung dar, die sicherlich noch nicht abgeschlossen ist.

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