Doctor Luther und der Fisch
by voisard
Jener Sohn eines doch nicht ganz so armen Häuers prägte damals dazu ein Wort, das gar nicht schlecht ist, was der Doctor Luther sonst noch so gesagt und getan hat, darüber will ich an dieser Stelle kein schlechtes Wort verlieren, da es um einen ganz anderen Sachverhalt geht. Heute abend war ich mit meinem Bruder bei einer Feierlichkeit, eingeladen waren wir nicht, dafür hatte uns eine blonde Dame engagiert, die für viele tausend Euro irgendwo (EBS Wroclaw?) Eventmanagment studiert hat. Die Feierlichkeit feiert die Kongenialität eines südwestdeutschen Autobauers mit Pferden unter und auf der Haube und eines Kreditinstuts, das keine Hilfe nötig hat. Das meiste, was es zu essen gab, kann ich nicht mal aussprechen, deshalb fühle ich mich aber nicht schlecht. Eine gewisse Neigung zur Currywurst sagt mal gar nix über jemanden aus. Schlimm fand ich durchaus die geladenen Gäste, was wohl auch am Neid gelegen haben könnte, aber eher weniger.
Kaputt machen kannst du bei so ner Veranstaltung nix, weil du musst als hudihudihu Subunternehmer alles selber zahlen und wegmachen müssen es immer die jeweils ärmeren Schweine. Wobei man von hier drausen eh nicht erkennen kann, wer jetzt die Schweine und wer die Menschen sind. Naja, schlimmer noch als diese fand ich nur noch die Art und Weise, wie unsere Arbeit gesteuert gelenkt geleitet gestaltet, vielleicht: betrachtet wurde… Die Arbeit macht nicht wirklich Spaß, das hat uns auch keiner versprochen, mit meinem Bruder zusammen ist es wenigstens kurzweilig, sie ist anstrengend, aber der Stundenlohn stimmt halbwegs. Naja, passt soweit, aber wenn ich wo hingehen, wo jemand was professionell macht, was ich ehrenamtlich in ähnlichen Dimensionen mache oder gemacht habe und dann geht der derart unprofessionell mit seinen Hiwis um, übernimmt so wenig die Verantwortung für Rasch- und Zielgerichtetheit, da kann man sich schon fragen, ob körperliche Gewalt nicht doch irgendwie schön wäre. Seis drum, bekannt kam mirs vor, ich habe vor einiger Zeit einmal Erfahrungen mit einen Studenten-Netzwerk gemacht, das mich im Oktober auf sich aufmerksam machte, weil ein Flyer gut platziert war. Ich wurde probehalber zum Mitglied gewählt, mit mir eine junge Griechin, die war toll, oder glaubte das zumindest. Weil ihr das hier soviel gibt und sie was zurückgeben will, wurde sich im November 2. Vorsitzende.
Damals lief der Laden mittelmäßig, aber das immerhin konstant. Wir hatten im Dezember eine Weihnachtsfeier im Haus der Studentenverbindung Schlaraffia zu Mannheim zu Leipzig zu Wroclaw (Name geändert…), die also innerhalb von zwei Jahrzehnten zweimal den Ort wechseln mussten, was auch irgendwie bitter ist. Naja, die Jungs, also die drei, die es dort noch gab, waren nett. Die meisten Klischees über Verbindungen sind sowieso irgendwie…Klischees. Wo sie zutreffen, treffen sie zu und da richtig und da sind dann halt auch Arschlöcher. Anrechnen muss ich diesem Verein, dass niemand gefragt hat, was ich als Theologe dort will, sondern nur einen kleinen Arbeitsprobe ausreichte und ich damit engagiert war. Was immer etwas problematisch wird, weil ich klar Prioritäten setzen möchte, zusätzliche Lernfelder für mich aber immer so was von anziehend waren, dass ich schnell mehr an der Backe habe, als ich eigentlich leisten kann, zumindest genügt dann die Zeit selten, sich bei so einem Engagement an der Peripherie meines geistigen Horizonts wirklich drauf einlassen zu können und von Zuarbeiten und Stichworten wirklich zur gestalterischen Einwirkung zu kommen. Aber zurück zum eigentlichen ab Januar gingen Teilnehmerzahlen und Regelmäßigkeit der Treffen irgendwie rapide abwärts, was vielleicht auch daran lag, dass die 2. Vorsitzende irgendwie nicht alle Zeit (sie hatte vorher wirklich NIX) in den Verein stecken konnte, weil sie nebenher ein Praktikum in einer, wen wundert es noch, Eventagentur machen wollte. Hat sie gemacht, die Aussenstelle des Vereins gab es im Sommer bereits nicht mehr. Genau diese Leute, die in Burschenschaften, die in solchen Netzwerken, auch manche Theologen, Doktoren, die in anderen Netzwerken, die Griechen und andere Schnösel, nicht alle, aber einige werden nachher Eventmanager oder gehen zu Feierlichkeiten. Und sie sind in mehrfacher Hinsicht irgendwie Würstchen, leider manchmal auch fachlich. Ein Team wie der BDKJ, mit einer Diversität von fachlichen und sonstigen Hintergründen, hätte vieles von dem, was hier geschildert wurde ohne mit der Wimper zu zucken und mit einer großen Routine und Professionalität erledigen können.
Vielen von diesen, unseren Leuten vergeuden ihre Talente später als Lehrer oder solche Sachen, viele auf verschlungenen Pfaden, aber gegen immer neu nachwachsende Generationen von Zombies können sie wahrscheinlich trotzdem nicht viel tun. Auf dem Heimweg hat mich dann noch die Polizei angehalten, die beobachtet hat, wie ich mein Fahrrad gestohlen habe. Habe die Wachtmeister unverrichteter Dinge wieder nach Hause schicken müssen. Wobei, vielleicht fährt ja mal Peter Sodann vorbei, meine Verhaftungsliste hab ich griffbereit.
Aber es war nicht alles schlecht: O’Bama made my day!
Zum Schluss ein Bonmot, eine Hilfsregel, die mir bekannt vorkommt und die ich bei Ruth Cohn fand: Diejenigen, die die Regeln am größten auf Plakate schreiben, haben die größten Schwierigkeiten sie zu verstehen und umzusetzen.